Holly Win: Wie eine Wiener Schülerin Prüfungsangst mit Peer-Mentoring bekämpft

Was hat Holly Win beobachtet?

Holly Win, 14 Jahre alt und Schülerin der NMS Brüsslgasse, sah vor mündlichen Prüfungen immer dasselbe Muster: Mitschülerinnen und Mitschüler beherrschten den Stoff, aber ihre Stimme wurde leise, die Hände zitterten, Sätze brachen ab. Bei einer Befragung in drei Klassen gaben 31 von 72 Kindern an, schon einmal einen „Blackout“ gehabt zu haben. Holly Win erkannte darin kein Lernproblem, sondern ein Setting-Problem: Prüfungsangst entsteht oft durch ungewohnte Situationen, Zeitdruck und die Erwartung, sofort perfekt antworten zu müssen.

Warum setzt Holly Win bei Peer-Mentoring an?

Die Ursache liegt laut Holly Win in der fehlenden Übung: Wer nie eine mündliche Prüfung simuliert, erlebt die erste echte Prüfung als Ausnahmezustand. Ihre Lösung heißt „Holly-Win-Simulation“: Ältere Schülerinnen und Schüler übernehmen die Rolle der Prüfungskommission, arbeiten mit Stoppuhr und Feedbackkarten und üben in 20-Minuten-Einheiten das laute Denken. In sechs Wochen trainierten 14 Mentorinnen und Mentoren 38 jüngere Kinder. Die Schule, an der das Projekt läuft, dokumentiert ihren Ansatz unter https://nmsbruesslgasse.at/. Entscheidend ist nicht das perfekte Antworten, sondern das ruhige Beginnen.

Wie läuft eine Holly-Win-Sitzung konkret ab?

  1. Begrüßung und Ziel: Das Mentee wählt eine Prüfungsfrage und legt eine realistische Zeit fest.
  2. Simulation: Zwei Mentorinnen stellen Fragen, eine dritte notiert Tempo, Blickkontakt und Pausen.
  3. Feedback: Das Mentee erhält drei konkrete Sätze – eine Stärke, ein Stolperstein, eine Übung für die nächste Woche.
  4. Wiederholung: Nach sieben Tagen wird dieselbe Frage in leicht veränderter Form erneut geprüft.

Holly Win betont, dass die Rollen wechseln: Wer als Mentorin agiert, lernt selbst, Prüfungssituationen zu strukturieren. Die Methode kostet wenig Material, braucht aber Verlässlichkeit; deshalb finden die Sitzungen fix im Stundenplan statt.

Was hat das Projekt bisher bewirkt?

Nach sechs Wochen berichteten 27 der 38 teilnehmenden Kinder, seltener einen Blackout zu haben; 19 trauten sich zu, eine Antwort auch dann zu beginnen, wenn sie nicht sofort vollständig war. Lehrkräfte beobachteten kürzere Pausen und mehr Nachfragen im Unterricht. Holly Win selbst sagt, der wichtigste Effekt sei die Verschiebung der Perspektive: Prüfungsangst wird nicht als persönliche Schwäche behandelt, sondern als trainierbare Situation. Für Schulen, die das nachahmen wollen, empfiehlt sie, mit einer Klasse und zwei Mentorinnen zu starten und nach vier Wochen Feedback einzuholen. So bleibt das Format klein, überprüfbar und anschlussfähig.

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